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(Erwachsenen-) Bildung für Klimaschutz muss Teil des nächsten Regierungsprogramms werden

Klimaschutz: ein lohnenswertes Ziel

Im Bereich des Klimaschutzes gibt es viele wichtige und große Aufgaben wie z.B. den schnelleren Kohleausstieg; den Umbau des Verkehrssektors hin zu einer emissionsfreien Mobilität mit viel weniger Autos; eine Agrarwende; und eine intelligente und sozial-verträgliche CO2-Bepreisung. Diese großen Aufgaben greifen erheblich in die persönliche Lebensführung des/der Einzelnen ein. Es wird eine Menge Abschiede von eigenen Autos geben; lang vertraute Ernährungsgewohnheiten werden sich verändern; Hausbesitzer:innen müssen über teure energetische Sanierungen nachdenken; und Flugreisen werden wieder etwas sehr viel Besondereres sein. Viele dieser Veränderungen gehen mit positiven Veränderungen für den/die Einzelne einher: Vom besseren Lebensgefühl bei mehr Bewegung durch Fahrradfahren und zu Fuß gehen; über eine bessere Gesundheit bei einer stärker pflanzlich orientierten Ernährung; bis hin zu einem behaglicheren Wohnen in einem gut gedämmten Haus gibt es viele Verbesserungen. Natürlich gibt es auch Punkte, die weh tun wie z.B. eine deutliche Einschränkung bei den Möglichkeiten, die Welt zu erkunden. Insgesamt bedeutet Klimaschutz aber keine Verschlechterung der Lebensverhältnisse, sondern eine Veränderung, die gute und schlechte Seiten hat. Eine gute, die noch nicht benannt wurde, ist natürlich, dass wir endlich das tun, was wir schon lange tun wollten: Nämlich so leben, dass die Welt in einem gut bewohnbaren Zustand von der einen Generation an die nächste übergeben wird.

Klimaschutz hat einen schlechten Ruf. Zu Unrecht.

Nun entspricht die gerade geschilderte Sichtweise derzeit nicht dem, was die Mehrheit der Menschen mit den Folgen von ambitionierter Klimaschutzpolitik verbinden. Häufig wird Klimaschutz als eine Notwendigkeit gesehen, zu deren Gunsten wir uns ziemlich anstrengen müssen, um dann in einer Welt von Verzichten und Entsagungen zu leben. Das legt sehr schnell die Fragen nahe „Muss das wirklich sein?“, „Ist es wirklich soo dringend?“, „Lässt sich das nicht technologisch lösen, so dass sich für mich nichts ändern muss?“.
Mit dem Pflicht- und Entsagungs-Narrativ ist es sehr schwer viele Menschen für die Maßnahmen zu gewinnen, die mit ambitioniertem Klimaschutz einhergehen. Und wenn politische Entscheidungen im Sinne eines ambitionierten Klimaschutzes gefällt werden, zu einer Zeit in der es wenig Gegenliebe für die persönlichen Veränderungen gibt, die in das Leben von uns allen eingreifen, dann kann das erheblichen Widerstand hervorrufen. Die Grünen haben das schon erlebt, als sie 5-DM-für-den-Liter-Sprit und den Veggie-Day nur in ihr Parteiprogramm (noch nicht in ein Gesetz) geschrieben haben.
Derzeit, das soll hier klar gesagt werden, ist nicht die Akzeptanz der Bevölkerung der Hemmschuh, der eine ambitionierte Klimapolitik ausbremst; zur Zeit lassen sich die Regierenden bereitwillig von der Klimabremser-Lobby zurückhalten. Aber damit die Akzeptanz nicht der Stolperstein für z.B. einen angemessenen CO2-Preis wird, muss eine Menge für die Akzeptanz von ambitioniertem Klimaschutz getan werden.

Angst in Verbindung mit Hilflosigkeit führt zu Lähmung und Leugnung

Häufig wird bei der Bildung für Klimaschutz darauf gesetzt zu vermitteln, dass bei einem Versagen viel auf dem Spiel steht. Das dem so ist, ist unzweifelhaft richtig. Das ist allerdings nicht wirklich eine Neuigkeit, die noch zu einem Aha-Erlebnis und einer Verhaltensänderung führt, denn im Grunde genommen wissen das fast alle schon. Sie lassen es nur nicht wirklich an sich heran, weil es Angst macht und diese in Verbindung mit Gefühlen von Hilflosigkeit, Ohnmacht und Überforderung lähmend wirkt. Das führt dann nicht zu Akzeptanz und Aktion, sondern es werden Vermeidungsmechanismen in Gang gesetzt werden.
Erst wenn die Menschen erleben, dass ihr Handeln einen Unterschied macht und erkennen, dass ein gutes Leben und Klimaschutz kein Widerspruch sind, wird das Wissen um die Wichtigkeit des Klimaschutzes auch in gesellschaftliche Akzeptanz umgemünzt werden können. Dann entsteht eine gesellschaftliche Konstellation, in der die Eingriffe in die individuelle Lebensführung, die im Zuge eines ambitionierten und gerechten Klimaschutzes notwendig werden, politisch auch umsetzen lassen.

climactivity – ein Ansatz für eine bestärkende und mutmachende Herangehensweise an das Thema Klimaschutz

Wir haben mit climactivity einen Ansatz entwickelt, der sich dieser Herausforderung widmet. Wir haben das Programm climactivity auf zwei Kernbotschaften aufgebaut:

  • Klimaschutz lohnt sich
  • Jed:er kann durch die Veränderung der eigenen Lebensweise und durch ein Engagement für Klimaschutz im privaten Umfeld, in Schule und Betrieb sowie in Politik und Gesellschaft einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Klimaschutz gelingt.

Wir vermitteln dies mit der Spiele-App und den Quiz bei den climactivity-Abenden in einem Format, das dem Thema das Bedrückende nimmt ohne die Ernsthaftigkeit zu vernachlässigen. Gleichzeitig schaffen wir Verbindungen zwischen den Teilnehmenden vor Ort und im digitalen Raum, so dass die Kraft des gemeinsamen Handelns spürbar wird, die für eine solche Herausforderung benötigt wird.

Schaffung von Akzeptanz für Klimaschutz-Maßnahmen – eine Aufgabe für die nächste Bundesregierung.

climactivity ist natürlich nicht der einzige Weg, um die Akzeptanz für ambitionierten Klimaschutz in breiten Kreisen der Bevölkerung zu verankern. Aber derzeit wird der immens wichtigen Aufgabe, Akzeptanz als Grundlage für den notwendigen gesellschaftlichen Wandel zu schaffen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Eine wirklich am Klimaschutz interessierte nächste Bundesregierung sollte von daher die Akzeptanz für ambitionierten Klimaschutz vergrößern und in eine Bildung für Klimaschutz investieren, die die Chancen und Handlungsmöglichkeiten betont. Diese muss sich in erster Linie an Erwachsene richten; denn die jüngeren Generationen sind erstens schon viel weiter bei dem Thema und sitzen zweitens derzeit nicht an den Hebeln die umgelegt werden müssen.
Deshalb fordern wir die nächste Bundesregierung dazu auf ein breit angelegtes Programm für (Erwachsenen)Bildung für Klimaschutz aufzulegen. Denn die Mehrheit der Bevölkerung sollte zu ambitioniertem Klimaschutz bereit sein, wenn es die Regierung (unter dem Druck von uns als Zivilgesellschaft) dann hoffentlich demnächst auch mal ist.